NORDTRIP – Tag 22: Valdresflye & Hemsedal

Gestern haben wir derart viel Zeit damit verbraten, quasi KEINE Kilometer zurückzulegen :D, dass ich entschieden hatte, es mache keinen Sinn die längere Landschaftsroute Sognefjellet anzupeilen. Statt dessen haben wir uns für die Landschaftsroute Valdresflye entschieden – und plötzlich richtig viel Zeit. Wir verabschieden uns morgens also von unserem wirklich schönen Übernachtungsplatz und ziehen gemütlich los.

Die kleine Straße ist gut zu befahren. In Hindsæter beginnt die Landschaftsroute, hier sehen wir auch den ersten Campingplatz an dieser Straße, der noch wirklich bewohnt aussieht. Auffällig war bis hierher, wie oft wir auf „Camping verboten“-Schilder stießen, mehr als sonst irgendwo auf unserer Reise! Dennoch gab es die ein oder andere Möglichkeit, wo man hätte für eine Nacht stehen bleiben können.

Die Straße hält sich an die Sjøa, ein berühmtes Kajak- und Raftinggewässer. Die Gegend ist für unsere Begriffe schön, aber nicht unbedingt spektakulär.

Dennoch legen wir an einem Parkplatz am „Huldestigen“ einen kurzen spontanen Stop ein, weil wir an dem hier beginnenden Wanderpfad schon von der Straße aus zwei interessante Holzbrücken sichten. Das Holz scheint mir eher „knack…“ als „…frisch“, aber nun ja, es wird uns vermutlich schon noch tragen…

Das Infoschild am Parkplatz hat einen Wortlaut, bei dem sich der deutsche Text auffällig vom englischen unterscheidet (das Norwegische kann ich nicht kompetent beurteilen). Seht mal, was da zu „No 10“ zu lesen ist… 😀

Rund einen Kilometer laufen wir diesen gemütlichen Pfad dahin, um ein bisschen in die Landschaft einzutauchen.

Als wir die Lust verlieren, sind wir so frei und drehen einfach wieder um.

Unser nächster Halt ist in Gjendesheim am Parkplatz des Besseggen-Grates, einer der berühmtesten Wanderungen Norwegens. Entweder diese Tagestour – bestimmt sehr schön, aber zumindest in der Hochsaison total überlaufen – oder aber die benachbarte Tour über die Knutshøe stand eigentlich fest auf dem Programm. Das muss nun aber bis zu unserem nächsten Besuch warten. Denn die Tour über den Besseggen-Grat wird normalerweise Oneway unternommen, und die andere Richtung wird mit dem Schiff zurückgelegt. Die Fährzeiten passen aber so gar nicht. Wenn überhaupt, dann hätte ich mir diese Wanderung (ebenso wie die Knutshøe) so denken können, dass wir direkt dort übernachten und ich frühmorgens allein losziehe wie an unserem letzten Tag auf den Lofoten. Das klappt hier aber einfach nicht.

Der Parkplatz in Gjendesheim sieht für meine inzwischen verwöhnten Augen irgendwie eher touristisch als einladend aus. Über den Kamm rechts im Bild führt jedenfalls die Route empor, und oben läuft man dann super-aussichtsreich hoch über der Seelandschaft beiderseits des Grates.

Wir haben uns auch „gleich nebenan“ den Einstieg des Weges über die Knutshøe angesehen.

Der Weg – hier links im Bild – hat sowohl Rainer als auch mich heftigst angelacht. Seufz!! Nun gut, man braucht ja schließlich auch noch Projekte im Leben…

Die Landschaft wird nun sehr weit und sehr karg.

Es ist gar nicht so viel Handfestes  zu sehen, aber es ist schon ein Erlebnis, gefühlt sehr „klein“ mittendrin zu stehen, und wir haben Freude daran, die Umgebung einfach darin herumtrödelnd ein bisschen zu erforschen.

Wir fahren langsam weiter. Die Straße ist klein, aber irgendwie rollt sie gefällig über die Hügel. Rainer formuliert es so:

„So gleiten wir smooth dahin…“

Allmählich arbeiten wir uns wieder in tiefere Regionen hinab, da halten wir zu einer Mittagsrast an einem netten Plätzchen an. Gemütlich essen wir in der Sonne an einem Steintisch unsere Brote.

Ich laufe ein paar Meter vor zum Mini-„Gipfel“ Smørkollen. Von dem beeindruckt weniger der Blick als vielmehr die sich stellenweise knallrot färbende Vegetation. Und auch Scheuchzers Wollgras dekoriert die Landschaft.

Nach unserem sonnigen Mittagsmahl nehmen wir Kontakt auf mit Felix, einem Freund aus Weiler, der schon seit vielen Jahren in Norwegen lebt und den wir heute Nachmittag/Abend noch besuchen wollen. Um seinen Wohnort Hemsedal  anzufahren, gibt es laut Karte im Grunde zwei Möglichkeiten. Unten-/außenrum via Fagernes ist der von der Bordnavigation empfohlene „schnelle“ Weg, von unserem Standort aus 83 km. Dann gibt es offenbar noch einen Weg „oben drüber“. Sieht viel interessanter aus. Ich gebe probehalber anstatt „schneller Weg“ in den Routing-Optionen „kurzer Weg“ ein, und siehe da, die Oben-rum-Variante ist nicht nur 25 km kürzer, sondern angeblich auch 10 Minuten schneller. Das kapiere, wer will…

Wir fahren also oben rum.

Der Haken an der Geschichte zeigt sich, als sich uns plötzlich eine geschlossene Schranke in den Weg stellt. Hier beginnt eine „Panoramastraße“, und hätte ich noch tiefer in die Karte reingezoomt (und die entsprechende Legende präsent gehabt), dann hätte mir auffallen müssen, dass das ne Mautstraße ist. 55 NOK kostet sie bei Kreditkartenbezahlung (und wir haben die ganze Reise – an sich total problemlos – ohne irgendwelches ausländische Bargeld bestritten).

Naja, jetzt sind wir schon mal da, und „Panorama“ klingt ja so schlecht nicht. Wir füttern also den Automaten und fahren durch.

Da wir heute viel schneller voran kamen als gestern, sind wir deutlich früher dran als geplant. Die Straße ist kaum befahren und Rainer nimmt im Scherz das Tempo so konsequent raus, dass wir bei entsprechendem Weitergeschleiche punktgenau zur vereinbarten Zeit bei Felix ankommen sollten… ? Aber wir halten dann doch lieber noch an einer einladenden Stelle kurz oberhalb von Hemsedal, wo wir noch ein paar schöne Aufnahmen der Gegend machen können, ehe es hinunter in den Ort geht.

Übrigens, falls sich jemand wie ich über „Wanderschilder“ in weglosem Gelände wundert – es handelt sich hier um Loipenwegweiser… 😀

Wir fahren die letzen paar Kilometer hinunter nach Hemsedal und werden gleich bei der Einfahrt in den Hof freundlich von Felix‘ norwegischen Frau Tone empfangen. Die Sonne scheint, und auf der Terrasse – mit Blick auf das hauseigene Beach-Volleyball-Feld 😀 – sitzt es sich sehr gechillt (bzw. eigentlich eher herrlich sonnengewärmt).

Wir unterhalten uns sehr nett, und nach ein paar Minuten kommt Felix raus, der heute im Home Office gearbeitet hat und noch ein Projekt zu Ende bringen musste. Es ist sehr schön, ihn hier in seinem Umfeld zu erleben! Seit 15 Jahren wohnt und arbeitet Felix nun schon in Norwegen.

Wir bekommen ne Hausführung und sind dabei mächtig beeindruckt vom gewaltigen Holzgebälk des „Schuppens“ (!!!), wo im Winter unten drin das WoMo parkt.

Auch im Haus selbst sind die Holzbalken monsterdick, aber sie müssen, wie Felix uns aufklärt, auch einer Schneelast von 500 kg pro m² standhalten im Vergleich zu 80 kg im ja auch nicht gerade schneearmen Bayern.

Gemeinsam backen wir abends Pizza – ein echtes kulinarisches Highlight nach dem doch eher schlicht gestrickten Essen, das es auf unserer Reise nun schon wochenlang gegeben hat. Wie las ich vorher irgendwo im Netz? Für wen es im Auslandsurlaub wichtig ist, dauernd schick essen zu gehen, der sollte dabei nicht unbedingt Norwegen als Reiseziel wählen, sonst ist er nachher arm… Drum hatten wir auch haargenau das Klischee erfüllt, welches da lautet, dass die deutschen Touris stets „alles Essen mitbringen“.

Felix bestückt die Feuerschale, und auf der Terrasse sitzend singen wir mit Felix‘ und Tones Kindern Felicia, Timmy und Johannes mit Gitarrenbegleitung ein paar deutsche Kinderliedklassiker wie „Auf der Mauer, auf der Lauer“ und „Hab ne Tante aus Marokko“. Bei der Tante ist keiner von uns textsicher, aber Elias weiß sich zu helfen. Er googelt „Hab ne“, da erscheint prompt „…Tante aus Marokko“ mit dem Rest des Textes. ? Die Kinder begleiten den Gesang auf diversem Schlagwerk (wie z.B. Stock auf Feuerschale).

Als die Kinder ins Bett müssen, brechen Rainer und ich nochmals auf zu einem Ausflügle zu einem Wasserfall am oberen Ortsende von Hemsedal, dem Rjukandefoss. Der kurze Pfad, der vom Parkplatz zum Wasserfall führt, ist sehr schön angelegt, und auch der Wasserfall selbst ist echt sehenswert, wenngleich es eigentlich schon zu dunkel ist, um vernünftig zu fotografieren.

Wenige Meter flussabwärts führt eine Hängebrücke über die enge Schlucht auf die andere Seite. Von der Mitte der Brücke aus baumelt tief, bis fast hinab zur Wasseroberfläche, ein Seil mit einer Griffstange dran. Offenbar schwingt man sich hier tarzangleich übers Wasser und lässt sich da reinplumpsen. Die Schlucht ist allerdings so eng, dass wir uns fragen, von wo nach wo das Prozedere überhaupt stattfinden kann, ohne dass es permanent zu „Norwegermatsch“ auf Felswand kommt.

Leider ist grad keiner zur Stelle, der’s live demonstriert!

Wir fahren zurück zu Felix und Tone. Dort genießen wir noch eine Weile draußen die Wärme der Feuerschale.

Der Platz dort auf der Terrasse ist einfach wirklich schön. Oben steht der Mond über den Bergen, man ahnt auch noch den Wasserfall über der Wohnmobil-Garage, der bei Tag sehr gut zu sehen ist.

Als es kalt wird, gehen wir hinein ins gemütliche Haus und unterhalten uns (bei Aldi-Premium-Schokolade, die wir – nebst einer Flasche Jägermeister für Tone – von Felix‘ Mutter mitgeschickt bekommen und nun wochenlang durch die Gegend gekarrt hatten :lol:) noch eine ganze Weile. Die Themen reichen vom norwegischen Schulsystem (wo es z.B. bis zur 7. Klasse keine Noten gibt) über den Winter in Hemsedal und über das Wohlergehen gemeinsamer Bekannter bis hin zu einem Vergleich unserer Kirchengemeinden. Wir erfahren viel Interessantes wie z.B. dass die Hemsedaler dagegen votiert haben, im Winter Salz zu streuen, weil Salz die Elche anlockt, die es aufschlecken, und Elchcrashs sind auch so schon ein echtes Problem…

Ach, es ist einfach schön, Freunde zu treffen, und ich liebe es, wenn ich nun an sie denken kann und dabei vor meinem inneren Auge sehe, wo und wie sie wohnen… ?

Fahrtübersicht Tag 22:

Lemonsjøen – Landschaftsroute Valdresflye – Røn – Vaset – Panoramastraße – Hemsedal, 180 km, reine Fahrtzeit: knapp 3 Stunden

TAGESVLOG – Valdresflye, Hemsedal & Oslo

2018-03-08T16:42:43+01:00

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Sonja

3 Comments

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    Renate und Gerd 16. November 2017 um 15:00 Uhr - Antworten

    Ihr Lieben, schön nochmals die herrlichen Bilder und Eindrücke zu sehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr lange davon zehren werdet.
    Die Zimtschnecken werde ich doch bei Gelegenheit nachmachen.
    Euch allen eine gute gesegnete Zeit.
    Eure „alten“ Tausendfreunds

  2. Avatar
    Michael Ashoff 13. Dezember 2018 um 12:11 Uhr - Antworten

    Hallo Zusammen,

    sehr schöner Reisebericht.Weiß nur nicht wie Ihr darauf kommt das man ohne vorherige Anmeldung beim „Norwegischen Autopass“ 30 € mehr bezahlen muss????
    Wie kommt Ihr darauf, bzw. wo habt Ihr das gelesen?

    mfG

    • Sonja
      Sonja 31. Dezember 2018 um 11:04 Uhr - Antworten

      Hallo Michael, hab deinen netten Kommentar eben erst entdeckt…
      Wo ich das damals selbst gelesen hatte, weiß ich absolut nicht mehr, also, hab ich nochmal recherchiert. Und du hast Recht, das scheint ne Ente zu sein. Wenn man sich nicht registriert, so hat das wohl sogar den Vorteil, dass man manchmal gar keine Rechnung bekommt…
      Die für mich momentan am kompetentesten klingende Zusammenfassung las ich eben hier: https://womo.blog/2013/11/01/nachtrag-norwegen-und-die-maut-ohne-anmeldung-ganz-einfach/
      Viel Freude bei eurer Reise (wann und wohin genau auch immer)!!

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