NORDTRIP – Tag 23: Oslo

Oh, oh, oh – unser letzter ganzer Tag in Norwegen ist angebrochen. ?

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns herzlich von Felix und Tone – wer weiß, wann und wo wir uns wiedersehen! Leider haben wir kein Gruppenfoto gemacht, aber immerhin einzeln habe ich die beiden optisch nachzutragen. Erst Tone, als Lehrerin schulfein herausgeputzt:

Und dann noch Felix (und Rainer). Im Hintergrund seht ihr noch die tolle Umgebung, den nahen Wasserfall links oben am Bildrand und das WoMo, für welches der Schuppen mit den fetten Balken gebaut wurde. Dafür sind den Jungs die Beine abgeschnitten – nun ja, manchmal muss man halt Opfer bringen. 😀

Etwas wehmütig bewegen wir uns in Richtung Oslo. Auch dort werden wir heute nochmals Freunde treffen, Harald, einen ehemaligen Klassenkameraden von mir, der auch schon seit 10 Jahren in Norwegen lebt und als Transplantationschirurg arbeitet, und seine Familie.

Wir haben Zeit und lassen’s gemütlich angehen. Als wir bei Gol von der Straße aus erneut eine imposante Stabkirche erblicken, kehren wir um, um sie zu besichtigen, aber als wir die Zufahrt endlich gefunden haben, zeigt sich, dass die Kirche in einen Freizeitpark integriert ist, der (vermutlich seit dem norwegischen Sommerferienende) geschlossen hat, so dass wir gar nicht erst hinein kommen. Und die Sicht ist durch einen hohen Holzzaun und hohe Bäumen versperrt. Schade. So gibt’s nur ein verwaschenes Handyfoto aus dem vorbeifahrenden Auto.

Wir kaufen noch ein letztes Mal in Norwegen ein, bei Kiwi Minipris. Leider finden wir dort keine Moltebeermarmelade, Mist!! Ich hätte die wohl doch lieber gleich kaufen sollen, als ich sie vor Wochen irgendwo mal gesichtet habe (bei Coop, glaub ich, war’s).

Zum Mittagessen halten wir am Rand eines Sees und genießen die echt angenehme Wärme der Sonne. Dann fahren wir die letzten Kilometer bis nach Oslo hinein. Harald hat Zeit ab 15 Uhr, und wir haben uns dazu entschlossen, die verbleibende Stunde damit zu nutzen, dass wir uns Oslos Oper ansehen. Das Gebäude ist recht neu, es wurde erst 2008 eröffnet und existierte damit noch nicht, als wir zuletzt dort waren. Zwar ist klar, wo das Gebäude auf dem Stadtplan zu finden ist, aber die Zufahrt ist etwas für Fortgeschrittene (Navis in ausgedehnten Tunnelsystemen… ☹), und so schießen wir zunächst am Ziel vorbei und werden nach gelungenem Wendemanöver (außerhalb des Tunnelsystems :D) Zeuge des Baubooms, der Oslo offensichtlich erfasst hat.

Als nächstes wühlen wir uns beim Versuch, einen kostenfreien Parkplatz in der Nähe der Oper zu finden, kreuz und quer durch die miteinander verzahnten Einbahnstraßen der Umgebung, und so verstreicht die Zeit beim Umzingeln des schon lange sichtbaren Zieles. Wir wurschteln uns durch, bis wir am Ende hinter dem Gebäude stehen, wo auf meiner Karte ein „P“ verzeichnet ist. Ein „P“, das sich als „P“arkverbot erweist. Da ist aber ganz viel Platz und nur ein klitzekleines Bisschen Baustellenbetrieb, wir stören da garantiert niemanden (und so schnell kommt auch keine Politesse hier vorbei). Wir beschließen, einen Besichtigungssprint zu riskieren. Also bleibt zunächst Rainer im Auto, während Elias und ich das echt sehenswerte Gebäude begehen, und dann tauschen wir.

„Gebäude begehen“? Ja, denn genau das ist der Clou. Gewaltige schräge Rampen führen außen entlang des Gebäudes bis hinauf aufs Dach.

Ich zitiere mal aus der Beschreibung eines (hochdotierten) Geocaches, den ich dort aus Zeitmangel nicht gesucht habe, der aber wieder mal immerhin dazu diente, mich auf das Gebäude aufmerksam zu machen und ein paar Infos dazu zu liefern:

„Accessibility is supposed to be a key idea of the building, to set it apart from the elitist tradition of opera music and its admirers. Anyone may walk up to its unique roof, called the fifth facade, to ‚aquire ownership‘ of this house. Said Snøhetta founder Kjetil Thorsen, ‚Standing up there, you only see the sky. Looking down, you face only the sea. It is a truly arctic architecture‘.

Walking up the gentle slopes and across the roof plateau is supposed to emulate a hike in Norwegian hills and mountains.“

Recht hat sie, die Beschreibung. Wir „nehmen das Gebäude ein“, zwischen dem Meer und dem heute knallig sonnigen Himmel. Oslos Oper macht uns allen wirklich Spaß, ein echt tolles Gebäude!!

Aber ich sag euch eines, in der gleißenden Sonne ist es heiß. Als ich mit Elias zurück am Auto bin, um Rainer beim Autobewachen abzulösen, bin ich absolut gezwungen, zum Zwecke des Wohlbefindens in eine kurze Hose zu wechseln. Elias kommentiert grinsend:

„Ach, doch noch Sommerurlaub!!“

Es wird langsam Zeit, zu Harald aufzubrechen.

Harald wohnt auf Bygdøy, der Museums(halb)insel direkt östlich der Kernstadt. Wenige Minuten außerhalb der Kernbebauung gelegen befindet man sich schlagartig „auf dem Land“, mitten im Grünen. Wiesen, Bäume, auch Obstbäume. Als erstes fährt man direkt auf den Königlichen Landsitz zu, links der königliche Bio-Bauernhof. Dann passiert man das Freilichtmuseum. In unmittelbarer Nähe zum wohl außerordentlich interessanten Wikingerschiffmuseum wohnt Harald in einer ruhigen Seitenstraße. Er steht schon vor der Tür, als wir vorfahren und bittet uns freundlich herein:

„Wir sind hier in Skandinavien, also Schuhe aus!“ 😀

Wir treffen zwei seiner Söhne, Benjamin und Serafin, beide – selbstverständlich – außerordentlich wohlerzogen. Haralds Frau Eva hatte heute ihren ersten Arbeitstag in einer neuen Stelle und ist noch nicht zu Hause.

Aber in der Küche werde ich magisch angezogen von einem offensichtlichen Zeugnis ihres kulinarischen Wirkens…  😛

Das Wetter ist heute ja großartig. Und da Harald sich mit einem Freund ein kleines Motorboot teilt, bietet er an, einen auf Osloaner zu machen und damit hinaus in die Schärenlandschaft zu fahren. Elias ist durchaus mit diesen Plänen „einverstanden“. 😀

Wir stopfen also das ganze nötige Geraffel wie Schwimmwesten samt Harald irgendwie hinten ins Auto zum bereits reichlich vorhandenen Reisegepäck, und los geht’s. Harald nimmt auch noch seine Angel mit, „für das authentische Erlebnis“ :D. Unsere Angelerfahrung ist mehr als bescheiden bis nichtexistent, aber zum Festhalten der Rute wird es wohl schon reichen.

Im kleinen Hafen angekommen, wird erstmal das Boot startklar gemacht (sprich: es wird innen trocken gelegt).

Und schon geht’s los.

Harald navigiert zum Hafen hinaus und wir genießen bei strahlendstem Sonnenschein den leichten Wind, der uns um die Nase weht, und den Anblick der Außenbezirke Oslos, die pittoresk an uns vorüberziehen.

Nach ein paar Minuten versucht sich Harald in den ufernahen Bereichen, wo man angeblich „eigentlich immer“ Erfolg hat, am Schleppangeln. Er hofft auf ein, zwei Makrelen für den Räucherofen.

Aber die Viecher wollen heute nicht, egal, wer die Rute in der Hand hält. Wir fangen nicht mal Seegras :D.

Aber es ist sehr gechillt auf dem Wasser, man kann das Ganze durchaus auch ohne Fang genießen.

Weiter draußen darf dann auch Elias auch mal ans Ruder.

Dieses Steuerpatent ist schon komplizierter als das Lenkrad, das er am Geirangerfjord bedienen durfte, aber das klappt schon.

Unter einer gewaltigen dunklen Wolke – echt frech, dieses Ding, denn über dem Stadtzentrum Oslos scheint die ganze Zeit penetrant die Sonne! – ziehen wir dahin.

Am Ufer ziehen größere und kleinere Häuser an uns vorbei.

Wobei, es sind durchaus nicht nur Häuser zu sehen!

Auch ne Wasserrutsche (das weiße Dingens)…

… und sogar:

Bei diesem futuristischen Anblick fühle ich mich irgendwie direkt in einen James-Bond-Film hineinkatapultiert… 😀

Langsam nehmen wir wieder Kurs auf den Hafen auf, da beschließt Harald, es ein letztes Mal mit der Schleppangel zu probieren. Kurz vor der Einfahrt in den Hafen bin ich es, die gerade die Rute in der Hand hält. Da gibt es einen Ruck, und die Angel biegt sich quasi rechtwinklig durch. Harald holt die Leine ein, und siehe da: ein Hornhecht!

Das Ding ist wirklich nicht groß, aber zugegeben: Die Form ist schon irgendwie echt cool. Ein ausgesprochen schlanker Körper mit einem ausgesprochen langen schnabelartigen Maul. Zu gern möchte ich euch den Fang präsentieren! Das Handy hatte ich aber weggepackt, um beide Hände für die Angel frei zu haben. Als ich es rauskruschtele – Harald hält den Fisch so lange über dem Boot -, da gibt es erneut einen Ruck: Der Hecht hechtet von der Angel, und die entlastete Angelspitze mit dem leeren Haken zischt an Rainer und Elias, die vorne im Boot sitzen, haarscharf vorbei. Rainer wird sogar gestreift. PUH, das hätte echt schief gehen können! Selbst wenn wir einen Arzt an Bord haben… ?

Und auf dem Foto hab ich den Fisch jetzt erst nicht… 😀

Aber wie Harald nachträglich kommentierte:

„So ein Hornhecht bekommt grüne Gräten beim Kochen und schmeckt nicht, weil er nach Amoniak riecht, so isses. Hätten wir also sowieso schwimmen lassen.“

Wir fahren zurück zum Haus, wo wir inzwischen auch Eva antreffen. Alle haben wir jetzt Hunger und entscheiden in die Stadt zu fahren, um was zu essen. Auch Benjamin ist noch da und klärt uns weltmännisch auf:

„Man kann hier in Oslo sehr leicht gut und teuer essen. Man kann hier auch sehr leicht schlecht und teuer essen…“ 😀

Das Ziel ist natürlich ein anderes, nämlich das Kunststück, die seltene Kombination „gut und bezahlbar“ aufzuspüren. Aber dazu sind wir ja mit Quasi-Einheimischen unterwegs. Mit Hugenschmidts Passat, einem staatlich geförderten Hybridfahrzeug, fahren wir zurück in die Stadt, in den hippen Bereich nördlich der Oper, wo sich wohl eher selten die Touris hinverirren. Dort gibt es ne Menge bunter Graffitis und eine Unzahl brechend voller Lokale. Am Ende landen wir in einem angesagten Burgerladen und werden dankenswerterweise auch noch von Harald und Eva eingeladen. Dafür sagen wir von Herzen „Tak“!!

Auch die Gespräche mit den beiden sind sehr interessant. Wir erfahren z.B. – und jetzt wird’s echt peinlich!! – dass „Oslo“ von den Norwegern ganz anders ausgesprochen wird, nämlich so ungefähr „Uschlu“. Jetzt waren wir schon x-mal mit Freizeiten in Norwegen und auch dieses Jahr ausführlich in diesem tollen Land unterwegs, aber irgendwie sind wir nie auf die Idee gekommen uns zu erkundigen, wie man auf Norwegisch bestimmte Laute ausspricht…

Wie schon Felix können sich auch Harald und Eva ein Leben in Deutschland nicht mehr vorstellen. Die Gründe, die sie benennen, sind ähnlich: die viel entspanntere Mentalität der Norweger, die keine Prinzipienreiter seien, sondern eher konsensorientiert. Und eine wirkliche Wertschätzung des Wertes „Familie“, die es z.B. auch einem Arzt ganz selbstverständlich ermöglicht um 16.30 Uhr Schluss zu machen, um ein Kind vom Kindergarten abzuholen. Dazu kommen speziell in Haralds Fall, dass er das norwegische Gesundheitssystem um Klassen besser findet als das deutsche, weil es erstens viel gerechter sei (keine Privatpatienten, die eine Vorzugsbehandlung bekommen, oder sowas – „Da könnte ich echt kotzen!!“), zweitens ganz flache Strukturen aufweise (kein Chefgehabe, wo einer allen diktiert, was sie zu tun haben, sondern echtes Arbeiten im Team) und drittens auch qualitativ viel besser sei. Es mache ja z.B. keinerlei Sinn, für die 5 Mio. Norweger mehr als ein Transplantationszentrum zu betreiben, also sei ganz rational nur eines eingerichtet worden, eben das in Oslo, und das sei nun aber das zweitgrößte in Europa. Dort gebe es die Möglichkeit sich wirklich zu spezialisieren und auch vernünftig zu forschen.

Harald erzählte, dass er schon viel arbeite, aber vieles davon habe er sich selbst ausgesucht, weil es ihm einfach Freude mache. Und er habe halt doch die Möglichkeit an einem Freitagnachmittag so Schluss zu machen, dass er um 15 Uhr eine alte Schulfreundin treffen könne.

Dämlicherweise haben wir sonst überhaupt keine Gruppenfotos gemacht, so dass z.B. Eva nirgends zu sehen ist. 😥

Jedenfalls war auch dieser Nachmittag/Abend mit Harald und Eva klasse und ein ganz wunderbarer Abschluss unserer Zeit in Norwegen.

Da wir am nächsten Morgen bereits um 7 an der Fähre in Larvik antreten müssen, fahren wir die 90 Minuten noch da runter, um direkt vor Ort zu übernachten. Auf der Strecke Oslo-Larvik befahren wir das erste Stück echte Autobahn in Norwegen überhaupt. Zweispurig. Mit sowas wie richtigen Autobahnrasthöfen. Zu unserer ausgeprägten Verblüffung sind hier streckenweise geradezu irrwitzige 110 km/h erlaubt, und so geht’s flott voran.

In Larvik stellen wir uns bei  N59° 02.910 E10° 02.022 auf einen kostenfreien Parkplatz (gegenüber dem kostenpflichtigen Platz für Wohnmobile über 6m Länge). „Schön gelegen“ ist anders, aber es ist ja eh dunkel und dient nur dazu, um ein paar Stunden die Äuglein zu schließen.

Fahrtübersicht Tag 23:

Hemsedal – Oslo (mit ein bisschen Stadtverkehr) – Larvik, 340 km, Fahrtzeit: 4 1/2 Stunden

TAGESVLOG – Valdresflye, Hemsedal & Oslo

2018-03-08T16:44:17+02:00

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Sonja

3 Comments

  1. Avatar
    Maria Fischer 14. November 2017 um 22:33 Uhr - Antworten

    Liebe Schemis, einfach wunderbar. Danke das ihr mit uns allen eure Erlebnisse mitteiltGottes Segen
    Maria u Hans Fischer

    • Sonja
      Sonja 14. November 2017 um 23:02 Uhr - Antworten

      Liebe Maria, es ist super-schön auch von euch zu hören, und sei es auf diesem Wege! ☺️
      Ich hoffe, auch euch geht es richtig gut miteinander!
      Ganz herzliche Grüße, Sonja

  2. Sonja
    Sonja 15. November 2017 um 14:39 Uhr - Antworten

    Harald hat mir geschrieben, und ich habe die Erlaubnis eingeholt ihn hier zu zitieren. Zur Erklärung: Im vierten Absatz des Textes hatte es ursprünglich geheißen, er sei „Transplantationsmediziner“. Hier also sein wahrlich lesenswerter Senf zu meinem Blogeintrag:

    „mensch sonja, das ist soo nett geschrieben, fotos etc. echt klasse!
    nur eine ganz klitzekleine kleinigkeit: transplantationschirurg, nicht -mediziner. Ist echt ne andre sorte mensch, so ein mediziner. ærzte sortieren sich ganz fix nach dem studium je nach persönlichkeit in ein passendes fachgebiet: die zumutung nachts um drei irgendwas zu betreiben, was einem nicht liegt, macht keiner lange mit. Deswegen spielen ALLE neurologen geige und langschach, mediziner graust es heimlich vor dem gedanken an die unappetitlichen innereien so drinnen in den leuten und sie werden nervös, wenn sich was nicht mit ein paar tabletten richten lässt, während chirurgen nach dem beobachten des noch so spannenden krankheitsverlaufs nach drei stunden die geduld ausgeht und entweder es wird jetzt operiert oder der patient möge sich gefælligst verkrümeln, wenn er halt keine ordentliche krankheit hat. Also weiter zum mediziner, der schon mal vier wochen geduld aufbringt, bevor er einen dann zum neurologen schickt, der dann vier Monate geige und schach spielt und sich überlegt, ob er dem patienten kortison gibt oder vielleicht doch lieber nicht…………..
    ok,ok, aber das mit den verschiedenen persönlichkeiten ist echt wahr und, wenn man ärzte im rudel trifft, leicht zu verifizieren.
    oioi, kleiner monolog geworden :-)“

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