Großbritannien – Tag 1: An die Kanalküste

Wir schreiben den 7. August 2018. Und wir fahren gen Westen.

Die letzten Tage waren unfassbar stressig. Die Details erspare ich euch, es genüge festzuhalten, dass mich – wie so oft – wieder einmal nachts um 3 (!!!ÄCHZ!!!) vor dem Morgen unseres Aufbruchs in den Sommerurlaub die Erkenntnis ereilt, dass meine Vorbereitungen „nicht fertig“ sind. Ich bräuchte noch rund eine Woche… 😀

Zum Beispiel ist mir völlig durchgerutscht, dass ich keine Ahnung habe, wo wir heute Nacht schlafen sollen.

Der Plan für heute lautet: fahren. Und zwar durch die Pfalz,  dann kurz durch Luxemburg (lang geht ja schlecht ?) und schließlich durch Belgien bis an die belgisch-französische Nordseeküste. Von dort, präzise von Dünkirchen / Dunkerque, geht dann morgen unsere Fähre hinüber nach Dover. Dünkirchen liegt nur rund eine halbe Stunde nördlich von Calais. Da die Fahrtstrecken und -zeiten von Keltern aus praktisch identisch sind, habe ich entschieden der Abwechslung halber den Hinweg durch Belgien (mit der Fähre ab Dünkirchen) und den Rückweg durch Frankreich (ab Calais) zu legen. Beide Fährstrecken führen hinüber nach Dover.

Und da ich es nervig finde zu versuchen, über eine so lange Distanz (rund 7 Stunden Fahrtzeit) eine bestimmte Fähre passgenau zu erwischen, fahren wir heute eben „nur“ an die Küste, übernachten dort und nehmen eine Fähre am nächsten Morgen.

Heute aber heißt es erst mal Strecke machen. Da wir ja nicht unter Zeitdruck sind, kommen wir nach den letzten häuslichen Aufräumarbeiten erst gegen 11 Uhr los. Der Verkehr ist freundlicherweise auf der gesamten Strecke auf unserer Seite, und so ist es auf weitgehend „leeren“ Straßen ein entspanntes Fahren. Auch die klimatisierte Rückbank (eigentlich ist es ja ein Einzelsitz) macht es sich gemütlich.

Kurz vor Luxemburg beim Fahrertausch auf einer Autobahnraststätte steht neben uns ein anderes Fahrzeug mit Pforzheimer Kennzeichen – dazu später mehr. In Luxemburg wird getankt – die Preise für den Diesel (wie auch für Benzin) lesen sich dort ausgesprochen attraktiv. Dann hinüber nach Belgien, das sich staubtrocken präsentiert. Die Gluthitze der vergangenen Wochen hat ihren Tribut gefordert, und Rainers Running Gag besteht im immer neuen Kommentar „Die armen Kühe!!!“ Schutzlos stehen sie auf den verdorrten Weiden und brutzeln in der Sonne.

Ansonsten ist in Belgien echt nix los. Zumindest nicht da, wo wir durchfahren. Das erlaubt es mir, einen klitzekleinen Abstecher zu erbitten zu einer Antiquität von Geocache. Der liegt irgendwo im Nirgendwo im Wald nur wenige Meter neben der Straße, und als ich mich ihm nähere, muss ich grinsen, denn da empfängt mich ein Monstrum von einem Hasengrill. So nennt man die Tarnung eines Caches mit Materialien der Umgebung, insbesondere mit Holz.

In diesem Fall schreit die „Tarnung“ aber „Hier! Hier isser!!!“, denn ringsum ist der Boden quasi mit dem Besen leergefegt, und der Holzhaufen fällt auf wie mit Leuchtreklame markiert.

An etwas düster wirkenden grauen Steinbauten vorbei geht es zurück auf die Autobahn. Und ich wälze das Internet, um herauszufinden, wo wir kostenfrei schlafen können. Das zu eruieren ist leider echt nicht trivial, denn die Auswahl ist bescheiden. Und einigermaßen nett sollte unser Rastplatz schon sein, wir sind ja schließlich im Urlaub, da stellt man doch gewisse Ansprüche.

Nach ausgiebiger Recherche auf verschiedenen Plattformen habe ich zwei Stellen im Visier, beide an der Küste und noch in Belgien.
Als wir die Küste erreichen und kurz danach auf die Landstraße einbiegen, denke ich noch: au weia, was ist denn bitte das?!? Meilenweit zieht sich zwischen Straße und Strand eine fast lückenlose einheitshohe Bettenburgreihe. Doch irgendwo ist der Durchschlupf, und vornedran fahren wir bis zum Ende der Klötze, und danach beginnt plötzlich ein ganz gechillter Abschnitt mit einer Reihe von Parkplätzen, und tatsächlich dort wiederum ein Abschnitt, auf dem auf der strandabgelegenen Straßenseite ein paar Camper stehen. Ich lese das Schild – tatsächlich, ab 19 Uhr kostenfrei. Es ist 18.30 Uhr, na die paar Minuten noch, das passt schon.
Rainer und Elias hüpfen gleich über die vorgelagerte kleine Düne zum Strand, und ich mache mich ans Kochen.

Und kurz danach gibt es die erste richtige Urlaubsmahlzeit vom Campingkocher, mjam mjam. Prima. So kann der Tag enden. In Strandlagen hat man als Kelterner Bürger doch immer gleich das Gefühl im Urlaub zu sein. Diese Wahrnehmung wird verstärkt durch die (in Maßen) vorbeiflanierenden Familien sowie durch Jungvolk, welches irgendwo Spaßfahrzeuge gemietet haben muss, jedenfalls cruist es auf allen möglichen Gefährten auf der glatt geteerten Straße vergnügt an uns vorbei.
Beim Abwasch und Aufräumen stellt Rainer fest, dass eine Schraube eines der Campingstühle sich verabschiedet hat. Mist! Das Bordwerkzeug ist zwar üppig bestückt, aber DIE passende Schraube ist natürlich nicht dabei (wär ja auch ein bisschen viel verlangt). Not-Ersatz finden wir, aber morgen muss ein Baumarkt her.

Abends spazieren wir nochmals gemeinsam am Strand entlang.

Der Strand ist riesig, sehr sauber und um diese Zeit mehr oder weniger menschenleer. Es gibt natürlich einiges an Getier zu entdecken. Wobei ich das Rechte, das Fliegviech, lieber un-entdeckt gelassen habe. Es war recht groß, ca. einen halben Meter Spannweite, und so ganz genau wollte ich gar nicht wissen, was das mal war…

Als wir der architektonisch wertlosen Häuserfront schlendernd näher kommen, fühle ich mich plötzlich an Asterix erinnert:

„Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten…“

Seht ihr, was ich meine? Voll kurios… 😀
Der aufkommende Wind fühlt sich nach der Hitze der letzten Wochen einfach super an. Ohnehin ist die Temperatur schon auf den letzten Autobahnkilometern von mittags 38 Grad auf nutzerfreundliche 25 Grad heruntergekühlt, und jetzt, mit dem Wind, lässt es sich aushalten, aber sowas von. Klasse!

Klar, mit dem Wind kommt auch der Sand. Und der Wind bläst immer kräftiger, huiuiui, und da knirscht es beim Reden auch schon zwischen den Zähnen. Steht unser Bus auch richtig rum geparkt? Wir haben da letztes Jahr in Norwegen an der Küste so eine legendäre Nacht verbracht, als wir wild schaukelnd davon träumten, mit dem aufgestellten Dach und allem drum und dran seitliche Purzelbäume zu schlagen… Aber puh, dieses Mal passt alles.
Im Surfclub, einem netten Flachbau am Ortsende, kurz vor dem Parkplatz, können wir noch ein Eischen (bitte auf die richtige Aussprache achten :-)) schlotzen und aufs Klo, dann am Bus kurz waschen und Zähne putzen, und gute Nacht.

ZWEI-TAGES-VLOG – Auf nach London

2018-08-14T22:26:47+01:00

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Sonja

Ein Kommentar

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    Nicole 10. August 2018 um 19:51 Uhr - Antworten

    How nice, that you set up a blog again! I can’t wait to read more about your trip and what all you discover that I never saw! Enjoy cream tea for me if you get to the west coast!

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