Großbritannien – Tag 6: York & Reiten in den North York Moores

Elias hatte Recht. Die Isomatte hat irgendwo ein Leck. Aber es ist nicht groß, ich habe während der Nacht nur einmal Luft nachladen müssen… Er hat oben offenbar bestens geschlafen, während Rainer sich nicht so sicher ist, was er von seinem neuen Nebenmann halten soll. 😀

Wie auch immer, ich biete an, für den Rest der Reise Plätze zu tauschen, denn ich sehe nicht ein, eine weitere Isomatte zu kaufen, wenn zu Hause noch drei picobello Matten im Schrank liegen. Und alle vier sind eigentlich richtig gut. Man sollte erstmal prüfen, ob man das Loch daheim nicht flicken kann.

Zum Frühstück gibt es als Frischzugabe zum Müsli neben einer Birne aus dem eigenen Weilermer Garten auch den letzten der Broghammerschen Pfirsiche, die mich in den Tagen vor unserer Abreise fast in den Wahnsinn getrieben hatten. Keine Ahnung, wie die armen Brogis das machen, denn die dem Baum entnommenen Erntemengen, die zu verarbeiten ich mehrere Tage benötigt hatte, waren ihm nicht mal ansatzweise anzusehen gewesen.

Das Wetter hat umgeschlagen. Es nieselt. Als ich vom Abwasch zurückkomme, grüßt mich die ältere Dame, der ich das Tor aufhalte:

„Beautiful today, isn’t it!“

Aber sie grinst dabei schelmisch.

Wir brechen auf. Es geht heute in Richtung Nord-Osten, in den Nationalpark der North Yorkshire Moors. Wie der Name sagt, befinden sich diese Moorlandschaften im Norden Yorkshires, und das wiederum, so denke ich jedenfalls, ist nach York benannt, und York ist unser erstes Tagesziel.

Von Rowter Farm Camping geht es zunächst wieder via Winnat’s Pass runter nach Castleton. Dieses Sträßchen zu befahren, macht einfach Spaß. Und damit man die Größenverhältnisse besser kapiert, gibt’s dieses Mal auch ein Bild mit Auto drauf.

York erreichen wir am Spätvormittag. Ich habe mir da einen kostenfreien Parkplatz ausgeguckt, der sich sehr bewährt, und zwar beim Supermarkt Waitrose an der Foss Islands Road. Verkehrsgünstig gelegen und direkt an der fast vollständig erhaltenen Stadtmauer, sodass das Sightseeing beginnen kann, sobald man die Straße überquert hat.

Wer die Straße nicht überqueren kann/darf, sind die Einkaufswagen des Supermarkts. Solche Schilder an entsprechend gekennzeichneten Bodenstreifen sind mir zuvor schon mal aufgefallen. Wie das wohl technisch funktioniert??

Kaum auf der anderen Straßenseite angekommen, geht es am Red Tower in den alten Innenstadtbereich. Ab da kann man weite Teile der Altstadt direkt auf der Mauer umrunden.

An Clifford’s Tower (kostenpflichtig) schwenken wir von der Mauer ab und wenden uns den kleinen Gässchen im Stadtkern zu. York ist bekannt u.a. für seine „Snicklemazes“, seine superengen Seitengassen,  die teils echt kuriose Namen tragen. Hier sind einige davon im Bild:

Leider haben wir in York nicht soviel Zeit, wie Spaß machen würde (zumindest 2/3 von uns). Wahrscheinlich sieht man Rainer deshalb auf dem folgenden Bild so dynamisch den Ort durchqueren.

Aber wir schaffen es doch, der Kathedrale – der zweitgrößten Europas nach dem Kölner Dom – zumindest von außen einen Besuch abzustatten. Das ist schon ein sehenswerter Klotz. Nächstes Mal dann mit mehr Muße.

York ist ziemlich voll von Touristen und erinnert mich insgesamt ein bisschen an Freiburg.

Menschenmassen ziehen natürlich auch Straßenkünstler an. Wir sehen einem Jongleur auf einem Hochrad zu sowie einem Marionettenspieler, der mit seiner handgemachten Puppe („Handmade from scratch“) begeistert.

Und dann gibt es in York noch die „Shambles“. Im Grunde eine einzige enge Gasse mit ein paar schepsen mittelalterlichen Häusern.

Harry-Potter-Gelände ist das offenbar. Es gab da so Läden mit merkwürdige Namen…

Und dann ist es schon wieder Zeit zu unserem Parkplatz zurückzukehren. Meine beiden Mitreisenden zweifeln glaub leicht an meinem Verstand, als ich sie von der Hauptstraße abbiegend einen Seitengang entlang führe und dann auch noch zwischen einem Altkleidercontainer und einer Hauswand verschwinde –

„Doch, wirklich, da geht’s lang!“

Und siehe da, das GPS hat recht. Wir landen an einem Seitenarm des River Foss, wo zwei (wie ich meine) urechte Yorker unbeschadet vom Touri-Trubel grad ums Eck ganz in Ruhe angeln, und dann, wo der Weg „ended“, überquert er auf einem Steg den Fluss und wandert dann einfach in etlichen Metern Höhe an einer Fabrikfront entlang.

Sehr überraschend und urig.

Und ratzfatz sind wir wieder am Roten Tor angelangt und setzten unsere Reise fort.

Und nun fragt ihr euch vielleicht, wo an diesem Tag der Grund für unsere leichte Hetze liegt. Nun, wir haben auf 14.45 Uhr einen Termin. Zum Reiten nämlich.

Rainer hatte morgens noch gemeint:

„Reiten und Coasteering. Das gibt meine zwei persönlichen Highlights des Urlaubs.“

Beides hatte er ironisch gemeint. Auf die Sache mit dem Coasteering werde ich an anderer Stelle noch zurückkommen, aber am Reiten führte kein Weg vorbei, denn das war ein ausdrücklicher Wunsch von Elias gewesen. Wobei er interessanterweise weniger am Reiten selbst interessiert war, sondern seine Begründung hatte gelautet:

„Ich will Papa auf einem Pferd sehen!!“

Pünktlich erreichen wir das Bilsdale Riding Centre norwestlich von Helmsley. Dort werden wir freundlich empfangen und erstmal eingekleidet.

Dann gibt es eine kurze „Gebrauchsanweisung“:  Wie steigt man auf? Wie lenkt man das Gefährt? Klingt alles ganz einfach.

Und schon geht es los. Wir sind eine bunt gemischte Truppe von 12 Reitgästen und 2 Checkern. Eine vorne, eine hinten. Wobei, ganz hinten ist die längste Zeit Elias‘ Pferd, das einfach seine Ruhe mag. Er grinst trotzdem.

Es geht erst ein Stück auf einem breiten Weg den Hang hoch, und dann biegen wir auf einen Singletrail ein.

Da fällt auch schon der Satz:

„Are you all comfortable with trying a little trod?“

Trotten, das ist vielleicht ein Gehoppel. Gut, dass wir alle gleich doof sind. Den Rhythmus des Pferdes aufzunehmen, gelingt nicht allen gleichermaßen gut… 😆

Als es eine kleine Pause gibt, weil jemand sein Handy fallen gelassen hat (keine(r) von uns, wenngleich ich schon sagen muss, dass das einhändige möglichst wackelfreie Fotografieren während des Reitens so leicht wirklich nicht war), schaffen wir es tatsächlich Plätze zu tauschen, so dass ich Elias nun vor mir habe.

Das war gar nicht so einfach zu bewerkstelligen gewesen. Die Gäule blicken einfach viel zu gut, dass wir’s nicht blicken, bzw. wie die Reitstallcheffin mir schon beim Aufsteigen erklärt hatte:

„They know their job much better than you do.“

Wenn ich also will, dass mein Pferd irgendwas tut, was es nicht sowieso auch will, dann muss ich schon mit sehr viel Nachdruck zeigen, dass ich’s ernst meine. Und wenn es dann reagiert, fragt sich jeder von uns dreien, ob das nicht bei realistischer Betrachtung doch eher Zufall war…

Nach einer Weile verlassen wir den Wald und kommen oben auf freier Fläche raus.

Und seht ihr? Da vorne?

Ja, genau: Rainer auf einem Pferd, hier dokumentiert für die Nachwelt. Natural born harmony. Oder so ähnlich.

Wir tauchen wieder ein in den Wald…

… und dann schwenken wir nach knapp zwei Stunden auch schon wieder auf die Zielgerade zum Reitstall ein, wo wir noch auf der Koppel von einer Menge Kinder, Hunden und frei herumrennenden Pferden empfangen werden.

Und da sind wir nochmal alle drei in voller Pracht:

Fazit: Ich fand’s außerordentlich lustig. Und eindrucksvoll. Schon beim Aufsteigen spürt man, welche Kraft man da unterm Hintern hat.

Und wie fanden’s die anderen zwei?

Nach unserem Reitabenteuer ist es Zeit, unseren Schlafplatz für die Nacht anzufahren. Dieser befindet sich direkt an der Küste. Dazwischen führt die Straße über eine Kuppe, und plötzlich erblicken wir sie: Die North Yorkshire Moors, riesige von blühender Heide bewachsene Moorflächen. Das sind nun nicht die besten Fotos, da wir sie nur vom Straßenrand aus aufgenommen haben, aber man bekommt doch einen Eindruck von der Weitläufigkeit des Ganzen.

Was das hier an streng Geheimem ist, kann ich euch leider auch nicht sagen. Geheim halt.

Und dann erblicken wir wieder das Meer (die Nordsee), und da ist auch schon die enge Zufahrt zu unserem Zeltplatz, und da ist er. Ein supergeiler Platz für die Nacht auf Bayness Farm.

ZWEI-TAGES-VLOG – York und weiter

2018-08-18T09:11:47+01:00

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Sonja

2 Comments

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    Nicole 18. August 2018 um 15:09 Uhr - Antworten

    Your question about the grocery cart that won’t leave the super market parking lot can be answered in Freiburg! It’s an induction strip that some markets here have installed to avoid abandoned grocery carts after taking them home! A few even land in the Dreisam. I’m enjoying seeing England with your eyes.

  2. Avatar
    Simeon Schemenauer 24. August 2018 um 7:32 Uhr - Antworten

    Herrlich Papa auf dem Pferd zu sehen! 😀 Ich habe immer wieder amüsiert einige Passagen der Sekretärin vorgelesen, die bei den Beschreibungen zum Reiten lautstark anfing zu lachen. Genau so sei es bei ihr am Anfang auch gewesen! Also no worries vielleicht sieht man Papa bald Dressur Reiten;)

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