Großbritannien – Tag 8: Hadrianswall

Neuer Tag, neue Projekte – wir fahren weiter. Im Grunde wollen wir heute Englands Seite wechseln, von der Ost- an die Westküste. Man glaubt es kaum, aber das Land ist hier oben nicht besonders breit, nur rund 100 km von rechts nach links (oder rumgekehrt :D), so dass das gut zu schaffen ist.

Erstes Unterwegsziel ist die Tees Transporter Bridge, die bei Middlesbrough den Fluss Tees (sowas aber auch) überquert.

Diese Brücke ist nun nicht irgendeine dolle Brücke. Sie fällt schon von weitem durch ihre blaue Farbe auf:

Hier kommen wir der Sache schon ziemlich nahe. Die Brücke ist zu einer Art riesigem Insekt mutiert, dessen lange staksige Beine beeindrucken.

Und hier kann man, wenn man genau hinsieht, erkennen, was das Besondere an dieser Brücke ist.

Genau, es ist keine „Wir fahren oder laufen drüber“-Brücke, sondern – wie der Name schon sagt – eine „Transporter Bridge“, bei der alles, was über den Fluss will, in einer Art Lastenkorb unten dran hängt. Der Vorteil ist ganz klar: Wenn große Schiffe kommen, passen sie locker unter der Brücke durch. Das Ganze ist also so eine Art Fähre, die aber nicht fährt, sondern hängt.

Da man warten muss, bis der Fährkorb am richtigen Ufer ankommt, stellen wir den Motor ab. Normalerweise wäre das nun wirklich keine müde Zeile wert. Die besonders Cleveren von euch werden sich vielleicht schon denken, was nun kommt, und ja, genau: Der Motor springt nicht mehr an. Nicht beim ersten Versuch und auch nicht beim zweiten. Wir werden schon leicht nervös, da wir das vorderste Auto in der Warteschlange sind, aber plötzlich hat unser Wagen genug von den lustigen Scherzen und tut so, als sei nie was gewesen.

Mit leichten Schweißperlen auf der Stirn setzen wir unsere Reise fort – schließlich sind wir nun das vorderste Auto auf dem Lastenkorb, das nach Möglichkeit auch am anderen Ufer wieder als erstes den Weg freigeben sollte. Aber alles geht gut, und als ich am anderen Ufer nochmals für ein Foto aussteige, wo es freie Sicht auf die Transporter Bridge gibt, lässt Rainer den Motor sicherheitshalber lieber laufen, bis ich wieder an Bord gehe…

Unbehelligt von irgendwelchen anderen Sperenzchen fahren wir weiter gen Norden zum nächsten Kurzstop beim „Angel of the North“, einer gigantischen Engelsskulptur am südlichen Rand von Newcastle-upon-Tyne, in deren Umfeld ich einen weiteren alten Geocache suche (und auch problemlos finde). Die Skulptur ist schon sehr beeindruckend.

Und schwupp geht es weiter.

Das Wetter ist unbeständig. Oder auch unschön beständig in seiner unprognostizierbaren Nieselnässe. Kein richtiger Regen, aber zum Nasswerden reicht’s. Da ist’s nicht so schlimm, dass wir heute ziemlich viel on the road sind. Eigentlich steht heute nur ein richtiger Stopp auf der Agenda, und zwar am Weltkulturerbe Hadrianswall.

Hier erstmal der geschichtliche Blitz-Überblick:

Der Hadrianswall war, wie ihr der lilafarbenen Plakette entnehmen könnt, von 122 – 410 n.Ch. der nord-westliche Grenzwall des riesigen römischen Reiches. Hadrian war wohl der Meinung, das Reich habe genug expandiert, und nun sei es klüger, die Grenzen zu sichern. Also ließ er von der Ost- bis zur Westküste diese Mauer errichten.

Entlang des Walls gibt es überall Reste römischer Forts zu sehen,  u.a. an der archäologischen Stätte, wo wir heute einsteigen, Housesteads. Problemlos aktivieren wir hier unseren National Trust Touring (Familien-)Pass und genießen freien Zutritt.

Housesteads hat wohl die am besten erhaltenen Latrinen Englands – irgendein schräger Superlativ findet sich ja immer -, aber insgesamt finden wir Laiendeppen, da liegen halt ein paar Fundamentsteine rum. Das haut uns jetzt nicht sooo vom Hocker.

Direkt an das Fort schließt sich dann allerdings der (eintrittsfrei zu besuchende) Wall an, und gerade das erste Stück, das durch ein Wäldchen führt, ist schon wirklich eindrucksvoll.

Rechts geht es auch wirklich steil den Hang hinunter in Richtung der bösen Völker des Nordens. Schon gut vorstellbar, dass die Mauer hier „funktionierte“.

Auch noch, als wir das Wäldchen verlassen und die Mauer beginnt, sich topografisch an die Hügel anschmiegend das Gelände in Wellen zu erklimmen, ist sie zunächst breit und „stabil“.

Der Weg windet sich dann mehr oder weniger parallel zur sich ebenfalls windenden Mauer in Richtung Westen über die Hügel. Und nach und nach wird die Mauer zu einem Mäuerchen, ist aber immer gut erkennbar (und schon immer noch mehr Mauer als die omnipräsenten Steinmauern der Umgebung).

Wir kommen an eine Stelle, an der wir hinunterblicken können auf einen See. Dort zieht sich der Wall oberhalb im Wald einigen Felsen entlang.

Der Ausblick oben an den Felsen ist nochmals echt schön.

Und dann halt das Ganze wieder rückwärts (da wir – wie eigentlich bisher immer außer ein einziges Mal auf der Mam-Tor-Tour – eine eigentlich geplante Rundtour abkürzen)… Aber in der anderen Blickrichtung sieht alles ja auch immer anders aus. 😀

Am Visitor Centre gibt’s noch ein Eis, und dann setzen wir uns mit den Tücken der Parkplatztechnik auseinander. Auf diesem speziellen Parkplatz wurde bei der Einfahrt unser Kennzeichen automatisch erfasst, und wir sollen vor der Ausfahrt dem Automaten mitteilen, für welches Kennzeichen wir den entsprechend unserer Parkdauer fälligen Betrag entrichten wollen. Der Automat will aber englische Kennzeichen, sprich, er will z.B. nach den ersten beiden einleitenden Buchstaben eine Ziffer. Aber die freundlichen Damen und Herren vom National Trust kriegen auch dieses Problem für uns gelöst.

Was bleibt an diesem Tag noch zu tun? Unseren heutigen Schlafplatz aufsuchen. Dabei handelt es sich heute um das „Abbey Court Guesthouse“ in Carlisle, knapp nördlich des Lake District gelegen, wo wir morgen hinwollen. Gebucht hatte ich dieses Guest House über Booking.com. Das ist so eine Sache mit den Vorausbuchungen. Die Überlegung war: Ab und zu ne feste Unterkunft wäre ganz schön. Und alle, die ich von zu Hause aus rausgesucht hatte, waren bisher preiswert und auch wirklich gut. Da man das Wetter aber halt nicht vorhersagen kann, kommt es zu Situationen, wo man denkt: Hätte ich doch HEUTE ein festes Dach über dem Kopf anstatt gestern. Prophetische Gedanken…

Abbey Court Guest House entpuppt sich jedenfalls als echt prima. Sehr geschmackvoll eingerichtet, und das Etagenbad haben wir im Grunde für uns allein. Und es stehen drei Einzelbetten im Zimmer – sehr willkommen, da die beiden Obenschläfer im Bus (momentan ja Rainer und Elias) immer zum Zwangskuscheln neigen.

Hier ein kleiner Eindruck (die Bilder stammen teils vom nächsten Morgen):

Und das Bad:

Zum Bad noch ne lustige kleine Episode. Rainer hat sich gleich nach unserer Ankunft dorthin verkrümelt. Da erscheint in der Familiengruppe ne WhatsApp:

Rainers Kommentar zu diesem Foto lautet

„Sitting on the toilette“

Darauf ich:

„Spelling mistake: toilet. Wir sind hier nicht in Fronkreisch.“

Worauf Simeon sich aus Weiler einklinkt:

„Spelling mistake: shitting.“

Nach diesem kleinen Einblick in das literarisch gehaltvolle Schemenauersche Gedankenaustauschsniveau wenden wir uns dem zweiten großen Thema zu: Essen. Wir können im Zimmer ja kaum kochen, also muss was anderes her. Praktischerweise ist genau gegenüber des Guest House ein Domino’s (Pizza) gelegen; wie gelegen (ein kleiner Kalauer hat noch niemandem geschadet)!! Schmeckt dann auch, und die Reste werden uns morgen noch gut dienen.

Und wir wissen jetzt auch, wo wir morgen mit unserem Wagen hin können, der nämlich vorhin auf einmal wieder nicht anspringen wollte. Wenige Meter weiter gibt’s ne Werkstatt.

ZWEI-TAGES-VLOG – Ostküste und weiter

2018-08-20T23:23:06+02:00

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Sonja

Ein Kommentar

  1. Avatar
    Nicole 22. August 2018 um 17:28 Uhr - Antworten

    I really enjoy your videos, Elias! They bring it all to life!

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